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Dummheit nach Cipolla, Krebs

  • 8. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Juni



Sowohl Intelligenz als auch Dummheit sind sehr unterschiedlich definiert. Mit Hilfe von Tests ist beispielsweise der bekannte Intelligenzquotient messbar. Die Tests sind so kalibriert, dass die aktuelle Bevölkerung im Durchschnitt ungefähr den Wert 100 erreicht. Ab 130 beginnt die Hochbegabung. So um 50 herum sind wir in der Region eines Vollkornbrötchens. Davon häufig unbeeinflusst sind die emotionale und sogar die schulische Intelligenz oder eben Dummheit, welche der Pädagoge Jürg Jegge vor 50 Jahren als „lernbar“ bezeichnete.


Was die Dummheit anbelangt, hat der italienische Wirtschaftswissenschaftler Carlo Cipolla 1976 seine Sicht der Dinge zuerst als privaten Scherz unter Freunden veröffentlicht. Mittlerweile ist diese unter dem Begriff „die 5 Gesetze von Cipolla“ recht bekannt geworden und ich möchte sie euch hier in einer aktualisierten und etwas eigenwilligen Formulierung näherbringen, da ich ja alles besser weiss.


Die 5 Gesetze von Cipolla

  1. Wir können unsere Mitmenschen unterstützen oder systematisch betrügen und erniedrigen. Dasselbe gilt für die Haltung uns selbst gegenüber. Nach diesen Kriterien können wir die Menschen in 4 Gruppen einteilen: Intelligente, Hilflose, Banditen und Dumme. Intelligente nutzen sich selbst und anderen. Beispielsweise die Ärztin, welche immer wieder für längere Zeit mit einem Spitalschiff in der Welt herumkurvt und arme Kranke praktisch gratis behandelt. Die dankbaren Blicke oder sogar Lächeln dieser Menschen sind für sie weit mehr als nur eine Entschädigung für ihren selbstlosen Einsatz. Hilflose nutzen Anderen, oft auf ihre eigenen Kosten wie die Mutter, welche ihren völlig missratenen Balg bedingungslos uneigennützig bis an ihr Lebensende unterstützt und Mal für Mal brutal enttäuscht wird. Banditen schaden Anderen rücksichtslos für ihren eigenen Vorteil. Ein Dummer fügt anderen und damit auch sich selbst Schaden zu, was jeder Logik widerspricht und die Konsequenzen absolut ignoriert. Er inszeniert das nicht aufgrund von Fehlüberlegungen oder Naivität, sondern aus einer tief verankerten Haltung heraus und erzeugt damit Schmerz und Verlust.

  2. Die so definierten Dummen erscheinen universell und gleichmässig verteilt. Ihre Zahl ist stets grösser als wir annehmen und überrascht immer wieder.

  3. Diese Art von Dummheit ist unabhängig von anderen Faktoren wie Status, Reichtum, IQ und Bildung.

  4. Ein Dummer ist die gefährlichste Art Mensch, gefährlicher als Menschen, die aus purem Eigennutz handeln. Dumme Gruppen sind mächtiger als die Mafia oder das Militär.

  5. Nicht Dumme unterschätzen das Schadenspotential von Dummen, welche unberechenbar sind und sich an keine Regeln halten. Sie bilden das mit Abstand grösste gesellschaftliches Problem, nicht zuletzt weil das Internet die globale Vernetzung der Dummheit ermöglicht.


Die Tagesaktualität liefert ein nettes Beispiel frei Haus: Eine amerikanische Influenzerin und „Jägerin“ entreisst in Australien ein junges Wombat seiner Mutter und dokumentiert die Aktion strahlend ihren 90'000 hochintelligenten Followern in den USA, also urbi et orbi, welche sie dafür ekstatisch feiern. Ganz anders das Echo in Down Under. Ein beispielloser Shitstorm verdammt und bedroht die ahnungslose Amerikanerin, welche das Land in höchster Panik verlassen muss.


Eine andere, viel gefährlichere Anwendung von Cipolla-Dummheit habe ich vor einigen Jahren bei den Krebszellen entdeckt. Vier Kumpel habe ich schon beerdigt, Sue war dabei die erste Frau. Drei von ihnen starben an dieser unbegreiflichen Krankheit. Dumme Körperzellen beginnen zu wachsen, kraftstrotzend, vital und wachstumsorientiert. Aber sie halten sich nicht an den Bauplan. Und vor allem schaufeln sie ihr eigenes Grab. Anders als Banditen wie beispielsweise Covid- oder Ebolaviren, können sie nicht zuletzt in unbegreiflichen Massen auf einen anderen Wirt überspringen und sich weiter vermehren, sondern gehen zu hundert Prozent mit dem Körper, den sie zugrunde gerichtet haben ins Krematorium.


Schlimm genug, aber dabei stellt sich die bange Frage, ob die Menschheit mit ihrem Planeten nicht ähnlich umgeht. Sind wir Krebszellen in einem System, welches uns erzeugt und häufig recht lange am Leben hält? Steht in der heiligen Bibel der Krebszellen auch „macht euch den Menschen untertan“ ?



 
 
 

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